Begriffserläuterungen:

Gasieren

Das Gasieren, Abflämmen oder Sengen ist ein industrielles Veredelungsverfahren zum Beseitigen der aus Garnen und Zwirnen und den daraus hergestellten Geweben, Maschenwaren und Filzen hervorstehenden Faserenden (Härchen). Eine besondere Rollen spielt dieses Trockenausrüstungsverfahren für textile Gebilde aus cellulosischen Spinnfasern, insbesondere Baumwolle, aber auch für solche aus Wolle und Synthesefasern bzw. Fasermischungen. Da das Sengen von Garnen unwirtschaftlich ist, wird es meist nur noch bei speziellen Garnen, wie z. B. Nähgarnen, vorgenommen.

Die zu bearbeitenden textile Gebilde werden zum Beispiel mit glühenden Metallkörpern in Berührung gebracht, durch nichtleuchtende Gasflammen (Bunsenbrennerprinzip) gezogen oder an hocherhitzten Keramikkörpern (indirektes Strahlensengen) vorbeigeführt. Die Senggeschwindigkeiten betragen bis zu 250 m/min.[1][2][3]

Durch diese Ausrüstung erhält das Produkt eine besonders glatte, feine und klare Optik, die Ware wirkt eleganter und griffiger. Zusätzlich wird die Neigung zum Anschmutzen, sowie bei Geweben aus Synthesefasern, speziell Polyesterfasern, die Pillingbildung reduziert. Der Arbeitsgang des Gasierens wird bei Naturfasern, wie Baumwolle, meist vor, seltener nach dem Färben durchgeführt.

 

Merzerisiert

Die Merzerisation (Mercerisation) ist ein Veredlungsverfahren für Baumwolle, das vom Engländer John Mercer in der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt wurde. Er bemerkte beim Filtrieren von Natronlauge durch ein Baumwolltuch, dass das Gewebe aufquoll und anschließend deutlich andere Eigenschaften aufwies.[1]

Beim Merzerisieren wird Baumwolle unter Einwirkung von Zugspannung konzentrierter Natronlauge ausgesetzt. Hierbei quellen die Fasern auf, der Querschnitt verändert sich von nierenförmig zu rund und die Länge der Fasern verringert sich um bis zu 25 %. Diese Strukturveränderungen führen zu

  • seidenartigem, waschbeständigem Glanz,
  • besserer Färbbarkeit,
  • höherer Festigkeit und
  • besserer Dimensionsstabilität.

Die verbesserten Eigenschaften beruhen auf einer Veränderung der Kristallstruktur der Cellulose. Bei natürlicher Cellulose werden die einzelnen Polysaccharidketten innerhalb der Moleküle sowie innerhalb der Moleküllagen durch Wasserstoffbrückenbindungen stabilisiert. Zwischen den Lagen wirken lediglich Van-der-Waals-Kräfte.[2] Die Mercerisierung führt zu einer Umkristallisierung. Nun gibt es auch zwischen den Lagen Wasserstoffbrückenbindungen.[3]

Technisch werden die erreichbaren Eigenschaften durch das angewendete Merzerisationsverfahren (Heiß- oder Kaltmerzerisation, Trocken-in-Nass- oder Nass-in-Nass-Verfahren, Walzen- oder Vakuumimprägnierung) und die Einflussparameter Warenspannung, Verweilzeiten sowie die Natronlaugekonzentration bestimmt.

Das Verfahren erhöht die Qualität der Textilien, ist aber sehr kostspielig. Daher wird es nur bei Textilien hoher Qualität angewandt.